Sonnenwenden und Tagundnachtgleichen erklärt
Was Sonnenwenden und Tagundnachtgleichen sind, warum sich ihre Daten von Jahr zu Jahr verschieben und was sie für die Tageslänge bei Ihnen bedeuten, mit genauen Daten und Uhrzeiten.


Während die Erde um die Sonne kreist, verschiebt sich die Bahn der Sonne über unseren Himmel im Laufe des Jahres langsam nach Norden und wieder nach Süden. Die vier Wendepunkte dieser Bewegung sind die Sonnenwenden und die Tagundnachtgleichen. Sie markieren den astronomischen Beginn der Jahreszeiten und die Extreme der Tageslänge.
Die Juni- und die Dezember-Sonnenwende
Zur Juni-Sonnenwende (20. oder 21. Juni) erreicht die Sonne ihre nördlichste Position und steht mittags senkrecht über dem nördlichen Wendekreis (etwa 23,4° N). Auf der Nordhalbkugel ist das der Tag mit dem meisten Tageslicht und dem höchsten Mittagsstand der Sonne, nördlich des Polarkreises geht die Sonne gar nicht unter. Auf der Südhalbkugel ist es der kürzeste Tag.
Zur Dezember-Sonnenwende (21. oder 22. Dezember) ist es umgekehrt. Die Sonne steht senkrecht über dem südlichen Wendekreis (etwa 23,4° S), die Nordhalbkugel hat ihren kürzesten Tag und die Südhalbkugel ihren längsten.
Das englische „solstice“ kommt vom lateinischen Ausdruck für „die Sonne steht still“: Einige Tage lang ändern sich Mittagshöhe der Sonne und die Richtungen von Sonnenaufgang und Sonnenuntergang kaum. Das deutsche Wort „Sonnenwende“ betont dagegen die Umkehr ihrer Bewegung.
Die März- und die September-Tagundnachtgleiche
An den Tagundnachtgleichen (um den 20. März sowie am 22. oder 23. September) überquert die Sonne den Himmelsäquator. Sie geht überall auf der Erde fast genau im Osten auf und fast genau im Westen unter, und Tag und Nacht sind auf allen Breiten annähernd gleich lang.
Der Name verspricht gleich lange Tage und Nächte, ganz genau stimmt das aber nicht. Weil Sonnenaufgang und Sonnenuntergang über den oberen Sonnenrand definiert sind und die Lichtbrechung das Sonnenbild nahe dem Horizont anhebt, ist der Tag zur Tagundnachtgleiche an den meisten Orten einige Minuten länger als die Nacht.
Genaue Daten und Uhrzeiten
Eine Sonnenwende oder Tagundnachtgleiche ist ein Zeitpunkt, für alle derselbe Moment. Nur Datum und Uhrzeit hängen von Ihrer Zeitzone ab.
| März-Tagundnachtgleiche | Juni-Sonnenwende | September-Tagundnachtgleiche | Dezember-Sonnenwende | |
|---|---|---|---|---|
| 2026 | 20. März, 14:46 | 21. Juni, 08:25 | 23. September, 00:06 | 21. Dezember, 20:50 |
| 2027 | 20. März, 20:25 | 21. Juni, 14:11 | 23. September, 06:01 | 22. Dezember, 02:42 |
| 2028 | 20. März, 02:17 | 20. Juni, 20:02 | 22. September, 11:45 | 21. Dezember, 08:20 |
UTC
Die Daten wandern, weil ein Jahr nicht genau 365 Tage dauert, sondern etwa 365,24. Jedes Jahr kommt der Zeitpunkt rund sechs Stunden später, bis ein Schalttag ihn wieder zurückholt. Der gregorianische Kalender hält das im Zaum, sodass die Daten innerhalb eines Fensters von zwei bis drei Tagen bleiben.
Tageslänge in verschiedenen Breiten
Je weiter Sie vom Äquator entfernt sind, desto größer ist der Unterschied zwischen den Sonnenwenden. Am Äquator ist der Tag das ganze Jahr über etwa 12 Stunden und 7 Minuten lang. Auf 50° Nord ist der längste Tag mehr als doppelt so lang wie der kürzeste.
| Koordinaten | Juni-Sonnenwende | März-Tagundnachtgleiche | Dezember-Sonnenwende |
|---|---|---|---|
| 0° N | 12 h 7 min | 12 h 7 min | 12 h 8 min |
| 20° N | 13 h 21 min | 12 h 7 min | 10 h 55 min |
| 40° N | 15 h 1 min | 12 h 8 min | 9 h 20 min |
| 50° N | 16 h 22 min | 12 h 10 min | 8 h 4 min |
| 60° N | 18 h 52 min | 12 h 13 min | 5 h 52 min |
| 66.6° N | ganztägig | 12 h 16 min | 2 h 7 min |
| 70° N | ganztägig | 12 h 18 min | keine |
Astronomische und meteorologische Jahreszeiten
In der Astronomie beginnen die Jahreszeiten mit den Sonnenwenden und Tagundnachtgleichen. Die Meteorologie rechnet dagegen mit ganzen Monaten: Auf der Nordhalbkugel ist Frühling von März bis Mai, Sommer von Juni bis August, Herbst von September bis November und Winter von Dezember bis Februar. Meteorologische Jahreszeiten sind für Statistiken einfacher und passen besser zu den Temperaturen, die der Sonne um mehrere Wochen hinterherhinken.
Die Daten im Detail
Jede kommende Sonnenwende und Tagundnachtgleiche hat eine eigene Ereignisseite mit der genauen Uhrzeit in Ihrer Zeitzone und Tageslängen rund um die Welt. Die Tageslängen-Grafik zeigt, wie sich das Tageslicht an jedem Ort dazwischen verändert.
Häufige Fragen
Dauert die Sonnenwende einen ganzen Tag?
Nein. Eine Sonnenwende oder Tagundnachtgleiche ist ein genauer Zeitpunkt, überall auf der Erde derselbe Moment. Nur Datum und Uhrzeit unterscheiden sich je nach Zeitzone. Den Tag, auf den dieser Moment fällt, nennt man oft einfach Tag der Sonnenwende.
Warum ändert sich das Datum der Sonnenwende?
Ein Jahr dauert etwa 365,24 Tage. Der Zeitpunkt der Sonnenwende verschiebt sich daher jedes Jahr um rund sechs Stunden und springt in Schaltjahren um einen Tag zurück. Auch die Zeitzone spielt mit: Eine Sonnenwende spät am 21. Dezember nach UTC fällt in Asien und Australien schon auf den 22. Dezember.
Sind Tag und Nacht zur Tagundnachtgleiche gleich lang?
Fast, aber nicht genau. Wegen der Lichtbrechung in der Atmosphäre und weil sich Sonnenaufgang und Sonnenuntergang auf den oberen Sonnenrand beziehen, ist es an den meisten Orten zur Tagundnachtgleiche einige Minuten länger hell als dunkel. Der Tag, an dem beide am nächsten beieinanderliegen, heißt Equilux. Er liegt einige Tage vor der März-Tagundnachtgleiche und einige Tage nach der September-Tagundnachtgleiche.
Ist die Sommersonnenwende der heißeste Tag?
Meist nicht. Meere und Landmassen brauchen Wochen, um sich zu erwärmen. Auf der Nordhalbkugel ist es deshalb typischerweise im Juli oder August am wärmsten, mehrere Wochen nach der Juni-Sonnenwende.